Rafa 20th

Nadal und Babolat – eine unglaubliche Partnerschaft über 20 Jahre

 

French Open 2020: Im Stade Roland Garros liegt Rafael Nadal am Sonntag nach seinem Sieg über Novak Djokovic erschöpft im roten Sand des Court Philippe Chatrier. Wieder einmal hat er Geschichte geschrieben, ein neues Kapitel in einem Epos voller runder Zahlen. Jetzt gerade gibt es zum Beispiel das 20. Jubiläum seiner Partnerschaft mit Babolat zu feiern. 
 

Der Sieg am Sonntag war Nadals 13. Sieg bei den French Open und sein 20. Grand-Slam-Titel, der mit seinem 100. Sieg im Stade Roland Garros zusammenfiel und einen Zeitraum von 15 Jahren zwischen dem ersten und (bisher) letzten seiner großen Titelgewinne abdeckt. Nach dem ersten Sieg in vier Sätzen gegen Mariano Puerta bei den French Open 2005 rief Nadal das Team von Babolat an und bedankte sich für das wichtigste Werkzeug für diesen großartigen Triumph.

Kein Wunder, dass der sympathische Mallorquiner sagt: „So sehr man auch kämpft, der Sieg gehört einem nie alleine.“ Die wichtigste Waffe eines Tennisspielers ist sein Racket, und Nadals lange Reise ganz an die Spitze begann mit seinem gelben Aero. Aber seine gemeinsame Geschichte mit Babolat begann lange vor diesem denkwürdigen Tag im Juni 2005.

Acht Jahre war der junge Rafa gerade alt, als Babolat 1994 mit dem Pure Drive sein erstes Racket auf den Markt brachte. Ein Jahr später erwies sich der Junge als derart vielversprechendes Talent, dass sein Trainer, sein Onkel Toni Nadal, nach einer besseren Waffe für seinen linkshändigen Neffen suchte. Weil Babolat sich beim Pure Drive für Spanien als ersten Auslandsmarkt nach Frankreich entschieden hatte, war genau dieses Modell im Geschäft ausgestellt. Die Tatsache, dass auch Carlos Moya damit spielte, beeindruckte den sportbegeisterten Jungen. Moya war damals nicht nur ein aufstrebender spanischer Spieler, sondern wie Nadal kam er aus Mallorca. Nadal probierte die leichtere Version des Pure Drive, den Soft Drive und fand ihn gut. So begann seine Story mit Babolat.

Als er älter wurde, wechselte Nadal zum Pure Drive. 2004 stieg er aber erneut um. 

Babolat war davon überzeugt, dass Nadal sich zu einem Top-Spieler entwickeln und seine Gegner mit einem starken Top-Spin dominieren würde. Deshalb wurde 2003 das erste „Aero“-Racket auf den Markt gebracht – speziell entwickelt für den Spin. Mit einer aerodynamischen Sektion zur Erhöhung der „Head Speed“, die dem Ball mehr Umdrehungen pro Minute verleiht, erwies sich das Racket als perfekt für das Topspin-lastige Spiel, mit dem Nadal die Tenniswelt erobern sollte. Eric Babolat, CEO von Babolat, erläutert: „Für uns war es wichtig, Rafa und die Entwicklung des Spiels zu unterstützen. Deshalb beschlossen wir, ein neues Racket mit ganz besonderem Fokus auf Power und Spin zu konstruieren.“ Mit diesem Racket spielte Nadal ab 2004 – ab dem Jahr, in dem er auch eine entscheidende Rolle im spanischen Davis Cup-Gewinnerteam übernahm.

Mit dem frühen Aero gewann er seine ersten sechs großen Titel: viermal die French Open, einmal Wimbledon, einmal die Australian Open sowie olympisches Gold 2008. Bis dahin war es das markante Gelb, das wir bis heute kennen. Ende 2009 begann er, mit der RPM Blast zu spielen, einer Saite mit achteckigem Querschnitt. Die Saite enthält Silikon, um sie elastischer zu machen, damit noch mehr Spin erzeugt werden kann. Im September 2010 gewann er damit die US Open und war mit diesem „Golden Slam“-Status wieder an der Spitze der Weltrangliste.

Seitdem wurden zusätzlich zur allgemeinen technischen Weiterentwicklung des Aero zu zwei strategisch relevanten Zeitpunkten wesentliche Änderungen vorgenommen, um Nadals Racket an seine persönlichen Bedürfnisse anzupassen – „wesentlich“ nach den Maßstäben eines Perfektionisten, der auf kleinste Details achtet.

Nach sechs Jahren ständigen Erfolgs stand Nadal 2011 vor einer neuen Herausforderung. Gegen Roger Federer, Novak Djokovic und Andy Murray, alle gut in Form, musste Nadal etwas Neues finden, insbesondere gegen Djokovic, den Mann, der seinen Platz als Nummer 1 auf der Weltrangliste eingenommen hatte. Nadal fand heraus, dass er näher an der Grundlinie spielen müsse. Er musste also dafür sorgen, dass sein Racket dem Ball etwas „mehr Schmackes“ mitgibt. Deshalb ließ das Babolat Service-Team am oberen Rand des Rahmens einen kleinen Streifen Tuning-Tape anbringen, um den „Hammer-Effekt“ etwas zu verstärken. Das erhöhte das Gewicht des Rackets um drei Gramm – relativ gesehen sehr viel.

Das Ergebnis war frappierend. Nadal war zurück im Spiel. 2012 und 2013 schlug er Djokovic bei den French Open und vor allem auch im Finale der US Open 2013, einem anstrengenden Match, mit einem Ballwechsel über 54 Schläge im zweiten Satz. Im Oktober 2013 war er erneut an der Spitze der Rangliste.

Dann, nach einer weiteren schwierigen Saison im Jahr 2016, bat er um weitere zwei Gramm, ebenfalls oben am Rahmen. „Abgesehen von diesen Streifen Bleiband gibt es fast keine individuelle Spezifizierung seines Rackets“, erklärt Guillaume Cambon, einer der Techniker, der bei Babolat an Nadals Racket-Rahmen arbeitet. Das Ergebnis waren ein zehnter Gewinn der French Open, die „Decima“, und dann ein erneuter Sieg bei den US Open im selben Jahr.

Inzwischen sah das Racket in Nadals Hand etwas anders aus als der Pure Aero, der offiziell in Sportgeschäften erhältlich ist, aber im Wesentlichen war es das gleiche Racket. Gemeinsam mit Nadal fügte Babolat dem Racket ein paar Akzente der warmen, kräftigen Farben hinzu, die für ihn von Bedeutung sind: Rot für die spanische Flagge, passend zum gelben Grund des Aero, Orange für den Sandplatz und Lila, als Farbe, die für ihn für Ehrlichkeit und Integrität steht. Das bedeutet, dass das Racket, mit dem er spielt, eindeutig seines ist – aber viele andere Spieler von derselben Technologie und denselben Innovationen profitieren können.

Nun ist es Rafael Nadal gelungen, Roger Federers Rekord von 20 Masters-Titeln zu egalisieren – und 2021 könnte er ihn noch deutlich übertreffen. Trotz dieses Erfolgs ist Nadal ein bescheidener Mann geblieben, der seine Gegner nie unterschätzt, nichts für selbstverständlich hält und niemals glaubt, dass alles nur auf seine eigenen Bemühungen zurückzuführen ist. Und er würde sich niemals so gehen lassen, aus Wut sein Racket kaputt zu schlagen.
Babolat ist sehr stolz auf die unglaubliche und andauernde Partnerschaft mit diesem bemerkenswerten Menschen.