„Ich habe Ziele, sehr große.“ – Holger Rune

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Veröffentlicht am 24.10.22

Für manche Spieler bedeutet der professionelle Erfolg, jede Woche in der Tour zu spielen und so gut wie möglich abzuschneiden, in der Hoffnung, einen guten Lebensunterhalt zu verdienen.
 
Andere wie Holger Rune träumen von Größe und sind fest entschlossen, es zu schaffen.
 
Mit 19 Jahren hat der Däne bereits zwei Titel auf dem Sandplatz von München, in Stockholm gewonnen und das bislang schönste, das Masters 1000 in Paris. In Roland-Garros erreichte er in diesem Jahr erstmals das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Und schaffte es damit erstmals unter die Top 10.
 

Als ehemaliger Junior-Champion von Paris und weltweit erstplatziertem Junior hat sich Holger sehr hohe Ziele gesteckt. „Ich habe Ziele, sehr große“, sagte er in Roland-Garros. „Das motiviert mich Tag für Tag. Mein Traum ist es, der Beste auf der ganzen Welt zu sein. Ich habe noch einen langen Weg vor mir. Also ist es okay. Ich bin noch nicht zufrieden.“
 
Nach dem French Open war Holger Rune einer von nur zwei Teenagern in der Top 100. Der andere war Carlos Alcaraz, beide spielen mit dem Babolat Pure Aero 98 und RPM Blast.

„Manche Jungen wollen Polizist oder Feuerwehrmann sein. Holger wollte Roger Federer sein.“

 

Seine Mutter Aneke, die mit ihm auf Tour geht, hat den Dänen vorbereitet auf seine Karriere als Star. „Kleine Jungs wollen Polizist oder Feuerwehrmann sein“, sagte Aneke in Raising a Champion, ein Video von TennisMajors.com. „Er wollte Roger Federer sein – schön und gut. Er ist nicht so wie die anderen und will auch nicht wie alle anderen sein.“
 
So viel Zeit mit einem Elternteil zu verbringen, kann schwierig sein. Aber Holger mag es, dass seine Mutter da ist. „Es ist schön für mich, so ein gutes Team zu haben, denn es ist sehr schwierig, Leute zu finden, die wirklich das Beste für einen wollen“, sagte er in einem Interview bei Roland-Garros. „Ich weiß, dass mein Coach Lars (Christensen) und meine Mutter nur mein Bestes wollen. 
 
Sie sagen mir auch, wenn ich nicht gut genug bin. Sie wissen, wie ehrgeizig ich bin, und erwarten etwas von mir. Sie erwarten das, wie ich jeden Tag arbeite. Ich mag es, dass sie gut darin sind, mich herauszufordern. Meine Träume sind meine Träume und sie helfen mir wirklich sehr.“ 
 

Dank seines Trainings an der Mouratoglou Academy hat Holger Rune viel Zeit mit Menschen verbracht, die ihn inspirieren. Doch sein Ehrgeiz, der Beste der Welt zu werden, wurde entfacht, als er zuerst Rafael Nadal und dann sein großes Vorbild Roger Federer sah. 

Als Junge weigerte er sich, den zweiten Preis für ein Softball-Turnier anzunehmen, da er Nummer Eins sein wollte. Als er nach Hause kam, erzählte er seiner Mutter, dass er niemals Nummer Zwei sein wollte.

 

Ein dänischer – skandinavischer – Sportheld

 

In Dänemark ist er eindeutig Nummer Eins, einem Land, das mit seinen weniger als sechs Millionen Einwohnern ein wenig Tennisgeschichte geschrieben hat. Der Vater des dänischen Tennis war Kurt Nielsen, der in den 1950ern zweimal Zweiter in Wimbledon wurde und 1957 zum ersten dänischen Grand-Slam-Champion gekrönt wurde, als er den Mixed-Titel von Wimbledon nach Hause brachte. Der erste Einzel-Champion wurde Caroline Wozniacki im Australian Open von 2018 und in den letzten Jahren siegte Freddie Nielsen im Herrendoppel von Wimbledon.

Da ist noch Platz für den ersten männlichen Grand-Slam-Champion Dänemarks, den Rune zu füllen in der Lage zu sein scheint. Sein Aufstieg geschieht parallel zu dem anderer junger Skandinavier, mit Caspar Ruud aus Norwegen, der einen festen Platz in den weltweiten Top 10 hält, und Emil Ruusuvuori aus Finnland, dem voraussichtlicher ein baldiger Aufstieg bevorsteht. Damit hat Holger Rune zwar Rivalen, aber er ist auch in guter Gesellschaft junger Spieler aus seinem Heimatgebiet.
 

In dem Selbstvertrauen, dass er in dieses Milieu gehört, gibt es für ihn keine Grenzen. Die einzige verbleibende Frage: Auf welchem Belag ist er am besten? „Ich habe keinen Lieblingsbelag“, antwortet er. „Ich mag Hart-, Gras- und Sandplätze. Auf dem Sandplatz habe ich die besten Ergebnisse erzielt, also kann man sagen, dass ich im Moment auf Sand am besten spiele, aber mal sehen, was noch kommt.“